Essex: Polizei nimmt vierten Verdächtigen fest

Essex: Polizei nimmt vierten Verdächtigen fest

Bei den Ermittlungen zum Fund von 39 Leichen in einem Lastwagen in der britischen Grafschaft Essex befinden sich inzwischen vier Verdächtige in Polizeigewahrsam. Nachdem die Ermittler bereits kurz nach dem Fund der Toten den nordirischen Fahrer des Sattelschleppers festgenommen hatten, sitzen nun auch 38-Jähriger und eine gleichaltrige Frau hinter Gittern. Zuletzt wurde ein weiterer Nordire festgesetzt.

Die beiden 38-Jährigen stammen aus dem nordenglischen Warrington und werden des Menschenhandels und Totschlags in 39 Fällen beschuldigt. Der 48-Jährige wurde laut der Polizei auf dem Londoner Flughafen Stansted festgenommen und soll an den Taten beteiligt gewesen sein. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Verschwörung zum Menschenhandel ermittelt, hieß es. Der Fahrer des Lastwagens stehe weiter unter Mordverdacht.

“Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann”

In der Nacht zu Mittwoch war der Lastwagen mit bulgarischen Kennzeichen in einem Industriegebiet in Grays östlich von London entdeckt worden. Medienberichten zufolge soll es sich bei den Toten um ins Land geschleuste Migranten handeln. Diese Angaben wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen, teilte allerdings mit, dass es sich bei ihnen ausnahmslos um Chinesen handele.

Daran gibt es inzwischen aber erhebliche Zweifel. So berichten zum einen die britischen Medien BBC und Guardian, dass auch Vietnamesinnen und Vietnamesen unter den Opfern sein könnten. Die Nachrichtenagentur AFP zitiert zudem einen Sprecher der vietnamesischen Botschaft in London, wonach die diplomatische Vertretung von einer vietnamesischen Familie kontaktiert worden sei, die ihre Tochter “seit der Entdeckung des Lastwagens” vermisse. 

Der Sender BBC berichtet, er wisse von sechs vietnamesischen Familien, die befürchteten, dass Verwandte unter den Opfern sind. Eine der Familien zahlte demnach 30.000 Pfund für das Schleusen einer jungen Frau.

Sowohl die BBC als auch AFP berufen sich auf die Angaben des Bruders der 26-Jährigen. Demnach sei diese Anfang Oktober aus Vietnam nach Großbritannien aufgebrochen, schrieb dann am vergangenen Dienstag – nur Stunden vor Bekanntwerden der Tragödie – noch eine SMS an ihre Familie und berichtete von ihren Leiden. “Es tut mir leid, Mama. Mein Weg ins Ausland hat keinen Erfolg. Mama,
ich liebe Dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann”, wird die Nachricht auch von der vietnamesischen Organisation Human Rights Space zitiert.

Bereits vor Veröffentlichung dieser Berichte hatte die chinesische Botschaft mitgeteilt, sie könne die Angaben der britischen Polizei über die Nationalität der Toten nicht bestätigen. Diese sei – anders als die Polizei mitgeteilt hatte – noch nicht eindeutig geklärt, hieß es auf der Website der Botschaft.

Wann gelangten die Menschen in den Lkw?

Alle 39 in dem Lastwagen-Anhänger entdeckten Leichen werden in einem Krankenhaus in Chelmsford obduziert. Die ersten elf Toten wurden am Donnerstagabend – begleitet von einer Polizeieskorte – in die Einrichtung gebracht. Die Obduktionen sollten noch am Freitag beginnen. Inzwischen musste auch die Polizei ihren Fehler korrigieren. Die stellvertretende Polizeichefin in Essex, Pippa Mills, sagte, hinsichtlich der Nationalitäten sei “das Bild in Entwicklung”. Sie forderte Familien, die Anlass zur Vermutung haben, dass ihre Verwandten unter den Opfern seien, auf, sich bei der Polizei zu melden und versicherte, sie würden nicht strafrechtlich verfolgt.

Alle 39 in dem Lastwagen-Anhänger entdeckten Leichen werden in einem Krankenhaus in Chelmsford obduziert. Die ersten elf Toten wurden am Donnerstagabend – begleitet von einer Polizeieskorte – in die Einrichtung gebracht. Die Obduktionen sollten noch am Freitag beginnen. Experten rechnen mit sehr langen Untersuchungen. “Das wird ein langer, aber entscheidender Teil dieser Untersuchung”, hieß es auch seitens der Polizei.

An diesem Prozess sind auch die belgischen Behörden beteiligt. So stammt die Zugmaschine des Sattelschleppers zwar aus Irland, der Auflieger jedoch kam über den belgischen Hafen Zeebrugge auf die britische Insel. Per Schiff war er von Belgien in den Hafen Purfleet gebracht worden, wo er dann mit dem Lkw in das Industriegebiet gefahren worden war.

Wann und wo die Menschen in den Lkw gelangten, ist unklar. Nach Angaben des Chefs des Zeebrugger Hafens ist es “höchst unwahrscheinlich”, dass dies in Belgien geschah. So komme ein vergleichbarer Kühlcontainer bereits vollständig versiegelt an, Dichtung, Nummernschild und auch der Fahrer würden teils mit Kameras überprüft.

 

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