PIM Gold: Insolvenzverwalter übernimmt bei Pleite-Goldhändler

PIM Gold: Insolvenzverwalter übernimmt bei Pleite-Goldhändler
Mannschaftswagen vor dem PIM-Firmensitz

Beamte haben Anfang des Monats die Zentrale von PIM Gold in Heusenstamm bei Frankfurt durchsucht.


(Foto: Jakob Blume)

Frankfurt, Berlin Die Nachricht erreichte Renald Metoja am Montagmorgen: Der Anwalt und Sanierungsexperte der Kanzlei Eisner aus Lauda-Königshofen bei Würzburg ist zum Insolvenzverwalter beim Goldhändler PIM Gold bestellt worden. „Ich verschaffe mir erstmal einen Überblick und rede mit den Mitarbeitern“, sagte Metoja dem Handelsblatt.

In den kommenden Wochen wird mit Metoja mit einem Team von Anwälten die mutmaßliche Betrügerfirma aus Heusenstamm bei Offenbach nach Vermögen durchforsten. Er übernimmt zudem als Insolvenzverwalter bei PGD, dem Vertriebsarm der PIM Gold.

PIM hatte Insolvenz beantragen müssen, nachdem die Staatsanwaltschaft Darmstadt Anfang September sämtliche Vermögenswerte der Firma beschlagnahmt und Unternehmenschef Mesut P. in Untersuchungshaft genommen hat. Die Behörde wirft P. sowie vier weiteren Verdächtigen, darunter Vertriebschef Julius L., unter anderem gewerbsmäßigen Betrug vor.

PIM und PGD hatten Gold und Goldspar-Verträge verkauft und den Kunden eine Art monatlichen Zins in Gold, sogenanntes Bonusgold, in Aussicht gestellt, wenn diese ihr Edelmetall bei der PIM einlagern. So sollen die Verantwortlichen Gold verkauft haben, das gar nicht existierte. Ersten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge fehlen mindestens 1,9 Tonnen Gold mit einem Wert von rund 80 Millionen Euro.

Bei ihrer Razzia Anfang September stellte die Staatsanwaltschaft nach Recherchen des Handelsblattes nur etwas über 200 Kilogramm Gold sicher. Demgegenüber standen Lieferverpflichtungen von 3,38 Tonnen Gold. Ob sich der Schaden für die Anleger noch erhöht oder ob die Lieferverpflichtungen wegen der chaotischen Buchhaltung bei der PIM doch niedriger ausfallen, muss nun der Insolvenzverwalter klären.

PIM-Kunden fühlen sich betrogen

Viele Kunden, die nun um ihr Gold bangen, sind ältere Menschen, die mit ihrem Investment bei PIM ihr Vermögen absichern wollten. So auch Cornelia L. aus Leipzig: „Wir haben für 40.000 Euro Gold gekauft und bei PIM im Safe gelagert, dafür sollten wir eine ordentliche Rendite erhalten“, sagt sie. Bonusgold im Wert von fast 3000 Euro pro Jahr wollte PIM der Seniorin für die Einlage ausschütten, so steht es in den Verträgen. BGK nannten Goldhändler dieses Geschäftsmodell.

Heute ist Cornelia L. nur noch wütend: „Ich fühle mich doppelt betrogen, denn meine Vermittlerin war auf der gleichen Hochschule wie ich“, sagt sie. Die Frau habe ihr Vertrauen missbraucht. Cornelia L. hat sich einen Anwalt genommen. Er werde Schadensersatzansprüche gegen die Vermittlerin prüfen, kündigt sie an.

Einen Hoffnungsschimmer für Anleger gibt es laut Stephan Greger, Experte für Kapitalmarktrecht bei der Kanzlei Greger & Collegen in München. Und zwar dann, wenn sie nachweisen können, dass sie Eigentum an einem bestimmten Barren erworben haben, der auch vorhanden ist. „Diese Barren könnten dann ausgesondert werden und nicht in die Insolvenzmasse fallen.“ Doch die Wahrscheinlichkeit ist gering.

Kritische Kooperationen

Die PIM hatte Anlegern zwar versprochen, ihre Barren in einem Hochsicherheitslager beim Dienstleister Loomis in Raunheim separat zu Lagern. Doch bei mehreren Durchsuchungen fanden nach Handelsblatt-Recherchen weder die Staatsanwaltschaft Frankfurt noch die Behörden in Darmstadt eine Trennung zwischen PIM-Vermögen und Kundengold vor.

Als Reaktion auf die bevorstehende Pleite bei der PIM hatte sich in Leipzig eine „Interessensgemeinschaft“ aus PIM-Anlegern und Vermittlern gebildet. Doch solche Kooperationen sehen Anlegeranwälte kritisch. Denn schon jetzt ist klar: Wenn feststeht, wie viel bei PIM und PGD noch zu holen ist, dürfte der Konflikt zwischen den Beschuldigten, den Vermittlern und den PIM-Kunden offen ausbrechen.

Mehr dazu: Die mutmaßliche Betrüger-Firma PIM Gold ist zahlungsunfähig. Für die vielen geprellten Anleger bedeutet diese Nachricht nichts Gutes.

 

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