SWR-Doku über Doppelmörder: Die bizarren Sex-Fantasien von Jens Söring

SWR-Doku über Doppelmörder: Die bizarren Sex-Fantasien von Jens Söring

Fast 30 Jahre lang saß Jens Söring (53) in den USA im Gefängnis. Der deutsche Diplomaten-Sohn soll 1985 die Eltern seiner Ex-Freundin ermordet haben – es ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte.

Farmeville (US-Bundesstaat Virginia) – Denn an der Mord-Schuld von Jens Söring bestehen erhebliche Zweifel. Auch seine Ex-Freundin Elizabeth Haysom wurde beschuldigt, die Tat begangen zu haben. Haysom wurde wegen Anstiftung zum Mord zu 90 Jahren Gefängnis verurteilt.

Jetzt wurde das einstige Paar begnadigt und soll abgeschoben werden. Haysom nach Kanada, Söring nach Deutschland.

Der „SWR“ zeigte deshalb in der Nacht auf Dienstag die Dokumentation „Das Versprechen“ von 2016. Der Film erregte Aufsehen, denn er schlüsselte den Fall neu auf und zeigte intime Details der bizarren Beziehung zwischen Söring und Haysom.

Mutter hatte Nacktfotos ihrer Tochter

Jens Söring und Elizabeth Haysom lernten sich im August 1984 an der Universität von Virginia kennen. Damals war Söring gerade 18 Jahre alt geworden, Haysom war etwa zweieinhalb Jahre älter. „Sie war so sehr charismatisch und eben verdammt gutaussehend. Eine ganze Menge Jungen waren in sie verliebt“, erzählt Söring in der Dokumentation.


Im Jahrbuch der University of Virginia wurden diese Porträts von Haysom und Söring veröffentlichtFoto: picture alliance / ASSOCIATED PR

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Im Jahrbuch der University of Virginia wurden diese Porträts von Haysom und Söring veröffentlichtFoto: picture alliance / ASSOCIATED PR

Die beiden freundeten sich an, wurden wenig später ein Paar. Doch Haysom hatte zu Hause viele Probleme, nahm Drogen wie LSD und Heroin. In ihrem Gerichtsgutachten gab sie später an, dass ihre Mutter sie missbraucht habe.

Nach dem Mord fanden die Ermittler im Atelier von Nancy Haysom Nacktfotos ihrer Tochter.

Auch unter dem Kontrollzwang ihrer Eltern litt Elizabeth Haysom. Vor Gericht erzählte sie: „Sie kontrollierten alles, was ich tat. Meine Mutter kam zu den seltsamsten Zeiten, Tag und Nacht ins Studentenwohnheim. Um zu kontrollieren, was ich tat.“

Bizarre Briefe über Mordlust und schwarze Magie

Die Wut auf ihre Eltern soll Elizabeth auch auf Jens Söring übertragen haben. Das Paar entwickelte Mordfantasien. Wie sehr sich Jens Söring und Elizabeth Haysom in ihre Wut hineinsteigerten, belegen viele Briefe zwischen ihnen.

In einem davon schreibt Hayson: „Wäre es möglich, meine Eltern zu hypnotisieren? Voodoo anzuwenden, ihnen den Tod zu wünschen?“ Und weiter: „Ich denke, ich sollte ernsthaft anfangen schwarze Magie auszuüben.“


Die Opfer: Derek and Nancy Haysom
Die Opfer: Derek and Nancy Haysom

Schockierend: Als die Polizei die Leichen der Eltern vorfindet, ist auf dem blutigen Boden des Esszimmers die Zahl „666“ eingeritzt. Spuren ergeben, dass die beiden offenbar kurz vor der Hinrichtung mit ihrem Mörder gegessen und getrunken hatten.


Der Tatort: Der Boden des Esszimmers ist voller Blut. In diesem Raum hatten die Eltern von Haysom zuvor gegessen
Der Tatort: Der Boden des Esszimmers ist voller Blut. In diesem Raum hatten die Eltern von Haysom zuvor gegessen

Jens Söring schreibt in einem Brief an Elizabeth Haysom: „Würde ich deine Eltern treffen, hätte ich die ultimative Waffe. Seltsame Dinge geschehen in mir. Ich werde mehr und mehr zu einer Art Jesus.“ Und weiter: „Liebe ist eine Form der Meditation und die ultimative Waffe gegen deine Eltern. Mein Gott, wie ich die Abendessensszene durchgeplant habe.“

Sex direkt nach Beerdigung der Eltern

Nachdem die Eltern tot sind, geraten Elizabeth Haysom und Jens Söring zunächst nicht unter Verdacht. Die beiden gehen zusammen auf die Beerdigung. Wenig später gibt Haysom vor Gericht zu, dass sie noch in derselben Nacht Sex mit Söring hatte. „Jens kam zu mir und sagte, dass er mich bräuchte. Er wäre einsam und er hätte Angst. Ich ging also mit ihm.“

Nachdem die beiden Tatverdächtigen nach London geflohen sind, bleiben sie nur noch unter sich. Jens Söring in der Doku: „Nach dieser Nacht, haben wir nie wieder darüber gesprochen. Wir haben es noch nicht mal genannt. Wir hatten da so einen Ausdruck für: unsere kleine Ekligkeit.“ Und weiter: „Wir konnten uns nicht voneinander trennen.“


Das Paar tauschte erotische Fantasien über Briefe ausFoto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

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Das Paar tauschte erotische Fantasien über Briefe ausFoto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Selbst nach ihrer Verhaftung schreiben sich die zwei weiter Briefe. „Unser Scheußlichkeiten der Vergangenheit könnten zu groß sein, um sie zu verdrängen. Aber du kannst und wirst das Erlebte vergessen, weil du einen guten F*** möchtest“, heißt es in einem Brief von Jens Söring.

Von Reue zeigt der Diplomaten-Sohn keine Spur, stattdessen führt er weiter seine bizarren Sex-Fantasien aus: „Das Zimmer wird nur von zwei Kerzen beleuchtet und in meiner besten Nazi-Stimme sage ich langsam: Du gehst nirgendwo hin, mein Liebchen. Heute Nacht bis du meine Gefangene der Liebe.“

Die Trennung

Sowohl Elizabeth Haysom als auch Jens Söring geben später ein Geständnis ab. Söring hofft, als Sohn eines Diplomaten Immunität zu genießen. Mit seinem Geständnis will er seine ebenfalls beschuldigte Freundin vor der Todesstrafe bewahren. „Wenn ich nach Deutschland gehe und dort verurteilt werde, gehe ich nur für ein paar Jahre hinter Gitter”, schreibt Söring.


Haysom sagte 1987 vor Gericht aus. Obwohl sich das Paar gegenseitig beschuldigte, wurden Haysom zu 90 Jahren und Söring zu lebenslanger Haft verurteiltFoto: Steve Helber/AP Photo

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Haysom sagte 1987 vor Gericht aus. Obwohl sich das Paar gegenseitig beschuldigte, wurden Haysom zu 90 Jahren und Söring zu lebenslanger Haft verurteiltFoto: Steve Helber/AP Photo

Und weiter: „Du wirst schnell auf Bewährung freikommen. Besonders dann, wenn sie meine frühe Haftentlassung berücksichtigen. In wenigen Jahren werden wir also hoffentlich frei und zusammen sein.“


Während der Zeugenaussage von Haysom rang Söring im Prozess um Fassung. Der Prozess wurde live im Fernsehen übertragenFoto: ASSOCIATED PRESS

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Während der Zeugenaussage von Haysom rang Söring im Prozess um Fassung. Der Prozess wurde live im Fernsehen übertragenFoto: ASSOCIATED PRESS

Doch dann widerruft Söring sein Geständnis, Elizabeth Haysom trennt sich von ihm – wieder per Brief. Von da an beschuldigen sich die beiden gegenseitig, den Mord begangen zu haben. „Meine Eltern mussten sterben, weil Jens und ich voneinander besessen waren und er war eifersüchtig auf alles andere in meinem Leben“, sagt Haysom später vor Gericht.

Justizskandal – oder nicht?

Bis heute weist der Fall zahlreiche Unklarheiten und Fehler im Beweisverfahren auf. Trotzdem hat die Gnadenkommission aus Virginia – trotz der aktuellen Entscheidung – keinen Zweifel an der Schuld Sörings.

Die Mitglieder der Kommission stellen ausdrücklich fest, dass „die jahrelange, erschöpfende Untersuchung“ ergeben habe, dass „Sörings Behauptung seiner Unschuld keine Grundlage hat.“ Dies berichtet die „FAZ“. Von einem Prozess, der die unfassbaren Schwächen des US-amerikanischen Justizsystems entlarve, könne keine Rede sein, so das Blatt. Der Autor, der selber als Verteidiger für Gefangene im Todestrakt texanischer Gefängnisse arbeitete, erklärt ganz im Gegenteil, dass Söring einen rechtsstaatlichen Prozess gehabt habe – und darüber hinaus von mehreren Richtern geprüft worden sei.

Erste Politiker sind mit der Entscheidung dennoch nicht einverstanden. Ben Cline, republikanischer Kongressabgeordneter des Bundesstaats Virginia, sagte er, sei „schockiert und empört“ darüber. „Die Entscheidung, die nicht auf Reue der Mörder für ihre Taten, sondern auf angeblichen Kostenvorteilen für Virginia basiert, ist eine Beleidigung der Familien der Opfer und des geltenden Rechts.“

 

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